Paul Dietz 

 

Horsemanship Clininc 7. - 10. August 2015


"One body, one mind" 



Eine Teilnehmerin des Buck Brannaman Kurses, in dem ich 2013 mitreiten durfte, schreibt mir von einem Trainer aus den USA der sehr ähnlich wie Buck mit Pferden und Menschen arbeiten soll.

So ähnlich mag sein,“ denke ich, „aber bestimmt nicht so gut“.

Wirklich neugierig werde ich, als ich Paul Dietz google.

Paul ist ein Horseman aus Arizona, als 14 jähriger Teenager ritt er zum ersten Mal mit Buck Branaman.

In den darauffolgenden Jahren ritt er wann immer es ihm möglich war mit Buck und reiste später drei Jahre lang mit ihm durch die USA. In dieser Zeit lernte er nicht nur von Buck und tausenden von Pferden sondern auch von Horsemen wie Tom Dorrance und Ray Hunt.

Das spiegelt sich in seinen Kursen wieder.

Ich melde mich an und fahre mit meinem 9-jährigen Wallach Smart Lil Gunsmoke nach Freystadt-Kiesenbach bei Nürnberg.


 

Als ich ankomme erwartet mich die erste angenehme Überraschung: die Pferde sind in schönen Boxen mit großen Paddocks untergebracht. Ich lerne die anderen Teilnehmer kennen und Paul. Er kommt in den Stall und begrüßt jeden persönlich. Ein sympathischer, höflicher Mann mit einem eher schüchternen Lächeln.

 

Er ist keine Imitation von Buck oder Ray Hunt, er versucht es auch gar nicht. Paul ist ein faszinierender Mensch mit eigenen Geschichten, eigenen Ideen und vor allem ein Mensch der gerne hilft. Dabei ist es ihm völlig egal, ob der Reiter an der europäischen Turnierspitze mitreitet oder als Anfänger versucht, nicht vom Pferd zu fallen.
Paul ist ein sehr geduldiger Trainer der gerne und ausführlich erklärt, vorreitet, nochmal erklärt und sich über Fragen freut. Wenn mal etwas so gar nicht funktionieren will steigt er auch vom Pferd und legt selbst Hand an.

Er will Pferden und Menschen helfen, ein besseres, gefühlvolleres Miteinander zu finden.
Er arbeitet mit jeder Pferd- Reiterkombination individuell und hilft immer wieder mit Tipps, Anregungen, Erklärungen.
An allen Tagen der Clinic steigen wir nach etwas Bodenarbeit (genau wie in Buck´s Clinic) auf unsere Pferde und reiten Volten, biegen das Pferd um das innere Bein, stellen die Nase nach innen. Wir reiten Schlangenlinien, eng oder weit.
Wir bewegen die Hinterbeine, die "hind quarters" in der Volte nach außen und schicken die Vorderbeine, die "front quarters" durch wie in einem Turn, wobei sich die Pferde auf die Hinterhand setzen. Wir üben den „one rein stop“, das Anhalten an einem Zügel aus Schritt und Trab.

 

 

Paul erklärt zu Beginn einer neuen Übung wie genau die Hilfen zu geben sind, warum wir sie machen und was wir bei Pferd und Reiter erreichen wollen,

Er reitet alle Übungen vor, erklärt nochmal und immer wieder.

Wir arbeiten bei sengender Hitze und Paul achtet darauf, dass Pferde und Reiter Trinkpausen einlegen.
Wir verbessern die Durchlässigkeit, die Biegung des Pferdes und die Hilfengebung der Reiter. Wichtig ist für Paul: das Pferd muss verstehen können, was der Mensch von ihm erwartet und es muss für das Pferd einen Sinn ergeben.
Die Pferde sollen Leben zeigen, leicht die Hinter- und Vorhand in alle Richtungen bewegen. Tiefe Hälse und schlurfende Gänge will er nicht sehen, Paul will die Pferde in natürlicher, freier Bewegung sehen. Hilfszügel, Ausbinder usw. sind tabu.
Der Mensch soll fühlen, wann das Pferd zumindest den Versuch macht, die Aufgabe zu erledigen. Denn in diesem Moment hört der Druck auf, das Pferd wird belohnt.
Paul erzählt oft von seinem "Freund und Lehrer" Buck Brannaman.
Überhaupt ist dieser Kurs fast identisch mit der Brannaman Clinic in Köln.
Nur besser.
Besser weil wir weniger Teilnehmer sind, Paul sehr individuell mit uns arbeitet und wir alle fühlen: er ist nur für unsere Pferde und für uns hier. Alles ist sehr persönlich und die Atmosphäre angenehm. Er ist ein Trainer zum Anfassen, der auch abends gerne mit uns am Grill sitzt und klönt.


 

Einen Abend, wir sitzen gerade am Grill, kommt Bernd Hackl vorbei. Er und Paul kennen sich und freuen sich beide über das spontane Wiedersehen.
Paul hat Humor, wir lachen, wir reiten, wir hören zu und wir staunen. Wir reiten geradeaus rückwärts, im Halbkreis rückwärts, die Pferde nehmen in der Rückwärtsbewegung den Hals runter und gebe im Genick nach. Dabei soll der Reiter nicht mehr als das Eigengewicht der Zügel fühlen.
Wir synchronisieren unsere Hilfen mit dem Moment, in dem das Pferdebein, das wir bewegen wollen, gerade vom Boden abhuft. Hört sich schwer an, ist es auch.
Wir fühlen unsere Pferde, ihre Bewegungen, ihre Stimmung, ihre Fragen.
Paul ist ein Trainer, der den persönlichen Kontakt sucht. Er will wissen, wer die Pferde und die Menschen sind, mit denen er arbeitet. Immer an seiner Seite sind seine Frau Christine, die ihn im Kurs unterstützt, und seine kleine Tochter Davina.
Alle Teilnehmer sind gleichzeitig mit ihren Pferden in der Halle, Paul beobachtet jeden einzeln und berät, korrigiert und lobt sehr individuell.
Eher ängstliche Menschen setzt er nicht unter Druck sonder versucht einfühlsam ihr Selbstvertrauen zu stärken.
Wir fühlen, wie unsere Pferde sich in den vier Tagen verändern. Die Intensität der Hilfengebung wird immer geringer. Am dritten Tag nachmittags wippe ich mit der Wade, ohne mein Pferd zu berühren. Es geht seitwärts. Ich wippe mit beiden Waden, mein Pferd läuft los. Ich berühre es etwas weiter hinten mit der Wade, mein Pferd galoppiert an.
Mein Pferd verändert sich, ich verändere mich.

 

  

Paul fordert uns immer wieder auf auszuprobieren, wie wenig Hilfe nötig ist um vom Pferd eine Reaktion zu erhalten. "See how little it takes."
Und es funktioniert: es geht immer noch etwas weniger.
Als ich Paul das beim Abendessen erzähle leuchten seine Augen.
Das ist es, warum Paul durch die Welt reist. Er möchte Pferde mit ihren Menschen glücklich machen. Paul ist immer offen für Fragen, auch Fragen, die nichts mit dem Kurs direkt zu tun haben.
Ich erzähle ihm von den Trainingspferden, die ich zum Anreiten, korrigieren oder ausbilden bei mir zu Hause habe.
Er berät mich, gibt mir Tipps, bringt meine Gedanken auf andere, neue Wege.
Paul ist Horseman durch und durch.

 

Ich habe das Gefühl einen Trainer gefunden zu haben, der die Philosophie von Tom Dorrance, Ray Hunt und Buck Brannaman nicht nur lehrt, sondern lebt. Das ist Horsemanship pur. Alles was er sagt klingt ehrlich, authentisch. Er hat für jedes Problem eine Lösung. Er stellt immer wieder klar: bei Pferden gibt es keine schnelle Lösung. Sie brauchen Zeit um zu verstehen und zu lernen.

 

Paul kommt wieder nach Deutschland, ich werde wieder dabei sein, hoffentlich im kommenden Jahr zu einer Cow Horse Clinic.
Ich habe liebe Freunde aus Deutschland, Irland und der Schweiz wieder getroffen und neue Freunde kennen gelernt.
Ich bin mit meinem Pferd eins geworden. „One body, one mind“ wie Paul es ausdrückt.
Und genau darum geht es doch, oder nicht?

 

 

Fotos Karin Thümler